Dienstag, 10 Dezember 2019

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Georg Alt

Georg Alt (1898-1947): Sozialdemokrat sein in schwerer ZeitGeorg Alt

 

Auch für ein einfaches Mitglied wie Georg Alt, der bereits in den Zwanziger Jahren ein engagiertes SPD-Reichsbanner- und Gewerkschaftsmitglied war, war die Zeit bitter.

Aus den 1992 handgeschriebenen Erinnerungen von Karl Alt: Vater kam zweimal in Schutzhaft. Mit Philipp Margeth kam auch unser Vater für einige Tage in Schutzhaft. Bei der zweiten Verhaftung war ich Zeuge. Dabei begleitete den Gendarmen ein junger S.A. Mann in Uniform, bewaffnet mit Militärgewehr. Genau dieser junge Mann hat ihn mit anderen jungen arbeitslosen Leuten gebeten für die SPD als Stadtrat zu kandidieren. Man versprach ihm die sichere Unterstützung. Vater traf die Wandlung dieses jungen Mannes wie ein Schock. Bei dieser Verhaftung bat Vater den Beamten den S.A.-Mann in gebührenden Abstand zu halten. Der Gendarm entsprach dieser Bitte. Nach einigen Tagen Schutzhaft bekamen die Inhaftierten eine Erklärung zur Unterschrift vorgelegt, sich nicht mehr gegen die Nationalsozialisten zu betätigen. Andernfalls wurde ihnen mit der Einweisung ins Konzentrationslager gedroht. Es blieb keine andere Wahl als die Unterschrift.

Einige Zeit später erfolgten dann die Hausdurchsuchungen bei den bekannten Funktionären. Durch Indiskretionen, Unwägbarkeiten und Drohungen mit weiteren Verhaftungen mussten die versteckten Gegenstände preisgegeben werden. Darunter war auch eine sehr schöne Fahne der Ortsgruppe „Reichsbanner“. Diese wollte man ganz sicher verstecken, bei Schmidberger Georg (Schwiegervater des Schweizer Jackl). Ein unglücklicher Zufall war es, dass auch diese Fahne preisgegeben werden musste. In der Folge stellte man unseren Vater als „politisch unzuverlässig“ hin. Trotzdem er bei den damaligen Bauunternehmen als Facharbeiter sehr geschätzt war, bekam er sehr wenig Arbeitsmöglichkeiten. Es waren Jahre dabei, da reichte es nicht einmal für die Arbeitslosenunterstützung. Durch persönliche Vorstellung beim damaligen Landrat und Anschreiben der „Arbeitsfront“-Organisation gelang es Vater erst 1937 ein festes Arbeitsverhältnis zu bekommen. Auch Kameraden vom Soldatenbund setzten sich für ihn ein. Das war eine bittere Zeit in jeder Beziehung für Vater.“