SPD-Versammlung in schweren Zeiten

Neue Gesichter bei Delegiertenwahl

Ehrungen für 25 bis 50 Jahre Mitgliedschaft


In einer politisch bewegten Zeit lud SPD- Ortsvorsitzende Wera Müller am Freitagabend um 19:00 Uhr in den Gasthof zum Bay ein. Auf der Tagesordnung standen die Wahl der Delegierten und Ersatzdelegierten für die Kreistagslistenaufstellung, weiter die Ehrung langjähriger Mitglieder durch den Bezirksvorsitzenden Franz Schindler sowie das, was bei der Einladung noch fast harmlos klang: Franz Schindler spricht über wichtigeThemen und bezieht Stellung zu aktuellen politischen Fragen. Schindler ließ 155 Jahre SPD-Geschichte Revue passieren und fand es spannend, was sich derzeit in Bremen abzeichne, wenn der Bremer Senat aus SPD, Grünen und Linken gestellt werden sollte. Schon bei der Ehrung für 25 bis 50 Jahre hatte er als Kommentar die politische Lage aus der entsprechenden Zeit beigesteuert. Und zur ehemaligen SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles gab es nur den Hinweis, dass ihre Unterschrift noch auf den ausgestellten Urkunden zu lesen sei.


Die vom Bezirksvorsitzenden Franz Schindler durchgeführte Wahl der Delegierten der Kreistagslistenaufstellung erbrachte als bemerkenswertes Ergebnis, dass die jüngeren Kandidaten gewählt wurden: Jennifer Dietl, Jürgen Kögler jun. und Silke Schell sind Delegierte, Monika Friedl, Siegfried Ehrnböck und Johann Pohmer sind Ersatzdelegierte.


Geehrt wurden langjährige Mitglieder. Max Riedl ist seit fünfzig Jahren SPD-Mitglied, Anja Böhm und Marianne Meißner sind es seit vierzig Jahren, Christine Riedl seit 1986. Sebastian Scheuer bekam eine Urkunde für dreißigjährige Mitgliedschaft, Johann Pohmer, Franz Reimer und Silke Schell Urkunden über 25 Jahre Mitgliedschaft.

Quasi stellvertretend für die Geehrten meinte Max Riedl, dass man sich nicht rechtfertigen müsse, warum man sich der SPD als der ältesten demokratischen Partei Deutschlands mit dem Markenzeichen sozial und demokratisch angeschlossen habe, sondern die Gründe erläutern: Sozialdemokratisch denkende Personen (ob Mitglied oder nicht) glauben an die Richtigkeit und Möglichkeit kollektiven Handelns für Gemeingüter, über die Einzelne nicht verfügen: Sie bejahen den Zugang zur Gesundheitsvorsorge, kümmern sich mit anderen um Bildung und Kultur, machen sich Gedanken um den öffentlichen Transport von Menschen und Waren, sorgen sich um den Schutz vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut. Wer das langweilig findet, hat sich an diese hauptsächlich von der SPD erkämpften Wohltaten nur gewöhnt und verkennt, wie bedroht sie weltweit sind. Die soziale Frage ist längst zurück in Deutschland, schon vor der Flüchtlingskrise. Riedl wies auch darauf hin, dass Verleger Dr. Balle (Straubinger Tagblatt) vor einiger Zeit sich dahingehend geäußert habe, dass man die SPD nicht abschreiben solle, sondern noch brauchen werde.


Bezirksvorsitzender Franz Schindler blickte in einer Art Tour d´Horizont auf 155 Jahre Parteigeschichte zurück. Mitte des 19. Jahrhunderts war die soziale Frage nur durch ein Zusammengehen der weitgehend rechtlosen Arbeiterschaft zu lösen. Solidarität mit den Schwächsten war schon immer ein Thema der SPD: Die SPD sei auch stets eine Friedenspartei in Europa gewesen. Der 8-Stunden – Tag und das Frauenwahlrecht sei 1918 mit der SPD erkämpft worden. Nach dem 2. Weltkrieg habe es de SPD anders als das bürgerliche Lager wegen des Verhaltens in der Nazizeit nicht nötig gehabt, den Namen zu ändern. Schindler erinnerte daran, dass in den siebziger Jahren auch in der SPD ein Umdenkungsprozess stattfinden musste, der die Risiken der Atomenergie herausstellte. Hans Schuirer und sein Kampf gegen die WAA seien allen in guter Erinnerung.


Verschlafen habe die SPD die Veränderung in der Kommunikation der Gesellschaft, die sich neben dem Rundfunk und dem Fernsehen sowie der gedruckten Presse auch der sozialen Netzwerke Internet, Twitter oder Facebook bediene. Vorbei sei die Zeit der dominierenden Voksparteien auch deswegen, weil anderes als zur Adenaurzeit mit nur einem Fernsehprogramm die Medienlandschaft vielfältig sei. Daher genüge es nicht mehr gut zu regieren, was die SPD- Minister täten, man brauche auch die Unterstützaug der Medien. Nötig sei eine andere Einkommens- und Vermögensverteilung, um die sozialen Probleme zu bekämpfen.


Franz Reimer mahnte in der Diskussion ein schärferes Profil der SPD an, die ihm zu kompromissbereit sei. Schindler findet die geringe Zustimmung zu den Volksparteien und zur SPD im Besonderen eine Gefahr für eine sich zersplitternde Gesellschaft.